01.04.2025Kommunikation kann jede:r. Oder?
von Robert Diener
Ein halbes Jahr Weiterbildung liegt hinter mir. Ein CAS in Communication & Media Relations. Spannende Gedanken von klugen Köpfen. Und doch bleibt ein nagendes Gefühl: Wird es diese Ausbildung in fünf Jahren noch brauchen?
Kommunikation kann heute jede:r. Oder glaubt es zumindest. Mit Word, Grammarly und ChatGPT wird jeder Text glatt gebügelt – grammatikalisch und stilistisch. Fehlerfrei schreiben war noch nie so einfach. Aber fehlerfrei ist nicht gleich gehaltvoll.
Ob ein Text eine fundierte Analyse, einen neuen Gedanken oder nur heisse Luft enthält, ist immer schwieriger zu erkennen. Die Verpackung glänzt. Der Inhalt bleibt diffus.
Gleichzeitig kippt das Verhältnis in der Medienwelt. Immer weniger Journalist:innen kämpfen gegen eine wachsende Armee von PR-Profis (wie mich, ich weiss). Die einen recherchieren, die anderen inszenieren. Die einen suchen Wahrheit, die anderen Reichweite.
Medienkompetenz wäre gefragt wie nie. Doch statt kritischem Denken gibt’s TikTok-Tutorials. Wer heute aufwächst, muss in einem aufgewühlten Informationsmeer schwimmen lernen.
Kommunikation bleibt eine Schlüsselkompetenz unserer Zeit. Vielleicht sogar die wichtigste. Denn wer nicht erklären kann, wird nicht gehört. Und wer nicht zuhören kann, versteht die Welt nicht.
Ich bin froh, mich in diesem Feld zu bewegen. Zwischen Information und Psychologie. Zwischen Analyse und Emotion. Und ich hoffe, dass wir den Wert echter Kommunikation nicht erst erkennen, wenn sie uns verloren geht.